Lymphologischer
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rainer h. kraus

Intensivere Lymphdrainage durch Tiefenoszillation

Die Behandlung des Lipödems gestaltet sich oftmals problematisch. Dies ist insbesondere zu Beginn der Therapie der Fall, wenn die Schmerzhaftigkeit noch besonders groß ist. Mithilfe der Manuellen Lymphdrainage (MLD) soll die Schmerzhaftigkeit reduziert werden, doch bereits die MLD tut vielen Lipödem-Patientinnen weh. Eine praktikable Lösung des Problems kann die Tiefenoszillation sein.

Wirkungsschema der Tiefenoszillation zur Intensivierung der Manuellen Lymphdrainage (MLD)
Bildquelle: www.physiomed.de
In den 1980er-Jahren wurde die Tiefenoszillation zur Intensivierung der Manuellen Lymphdrainage (MLD) entwickelt. Dabei werden die verschiedenen Strukturen in Haut- und Fettgewebe, Muskeln, Blut- und Lymphgefäße etc. durch elektrostatische Anziehung und Reibung zur sanften Vibration angeregt. Im Gegensatz zu anderen Verfahren, die Bereiche (Haut, Muskeln etc.) des Körpers in Vibration versetzen, werden bei der Tiefenoszillation die Schwingungen nicht mechanisch von außen in die behandelten Bereiche „hineingedrückt“. Diese Methode regt vielmehr in der Tiefe des Gewebes dessen Bestandteile auf äußerst schonende Weise zur aktiven Eigenschwingung („Oszillation“) an.

Das ermöglicht eine wirksamere MLD bei gleichzeitig deutlich sanfterem Auflagedruck der Hände. Die Tiefenoszillation eröffnet somit in der Behandlung des Lipödems, aber auch von Patienten mit schmerzhaften Zuständen wie äußere und innere Wunden, Entzündungen, Fibromyalgie, Rheuma, Nervenschmerzen etc. völlig neue Möglichkeiten. Der Therapeut kann jetzt auch in diesen Fällen Art, Richtung und Geschwindigkeit der Griffe rein nach den Regeln der Kunst bestimmen und muss keine Kompromisse mehr aus Rücksicht auf die Schmerzsymptomatik eingehen.
Therapeut bei der MLD-Anwendung
Patient und Therapeut sind jeweils über ein Kabel mit dem Tiefenoszillations-Gerät verbunden. Der Therapeut trägt während der MLD-Anwendung Vinyl-Handschuhe. Diese verhindern, dass zwischen ihm und dem Patienten Strom fließt. Denn nur durch die elektrische Isolierung kann sich zwischen seinen Händen und dem behandelten Gewebe ein elektrostatisches Feld aufbauen. Alternativ kann die Tiefenoszillation auch mithilfe spezieller Applikatoren zur flexiblen lokalen bzw. großflächigen Behandlung – auch zur Selbstbehandlung durch den Patienten – eingesetzt werden.
Unterschiedliche Frequenzen (Anzahl der Schwingungen pro Sekunde) haben unterschiedliche Wirkungen im Gewebe: Frequenzen zwischen 80 und 250 Schwingungen pro Sekunde (Hertz) dienen zum Auflösen von Verhärtungen und zur Reduzierung von Schmerzen. Mit diesen hohen Frequenzen beginnt die Anwendung mit Tiefenoszillation normalerweise. Frequenzen zwischen 25 und 80 Hertz wirken entspannend auf die Muskulatur und regen das Fließen der Gewebsflüssigkeit an. Niedrige Frequenzen (5 bis 25 Hertz) erzeugen eine starke Pumpwirkung und fördern den venösen und lymphatischen Abfluss. Die sanften Schwingungen werden von den Patienten (auch von Kindern) in aller Regel als sehr angenehm empfunden.


Anwendungsgebiete der Tiefenoszillation

Die Tiefenoszillation ist eine nicht-invasive (die Haut wird von keinem Gegenstand durchdrungen), nicht-traumatisierende (die Haut wird in keiner Weise verletzt) Therapieform.
Ihre hohe klinische Wirksamkeit ist nachgewiesen:
  • in der Förderung der Wundheilung
  • in der Schmerzreduktion
  • im Abbau lokaler Ödeme
  • in der Entzündungshemmung
  • in der Verbesserung der Beweglichkeit
Zu 1.: Die Wundheilung wird durch die Tiefenoszillation gefördert, indem die lokale Ver- und Entsorgungssituation aller behandelten Gewebeschichten verbessert wird. Die Therapie hemmt lokale Entzündungen, dämpft Schmerzen, fördert Heilungsprozesse und verbessert die Ergebnisse der Vernarbung und die Mobilität der Patienten. Sie kann gleich nach einer OP angewandt werden.

Zu 2.: Durch eine Verbesserung von Durchblutung und Stoffaustausch in den feinsten Blutgefäßen („Mikrozirkulation“) fördert die Tiefenoszillation die Ausschwemmung von schmerzvermittelnden Substanzen („Schmerztransmitter“) wie Serotonin, Bradykinin, Prostaglandin u.a. Auch die entzündungshemmende Wirkung der Ödemreduktion beeinflusst die Schmerzsymptomatik positiv.

Zu 3.: Die für das Lipödem typischen Schmerzen entstehen durch „orthostatische Wassereinlagerungen“ (Ödeme). Im Raum zwischen den Zellen (Interstitium) „durchmischt“ die Tiefenoszillation die Grundsubstanzen und hält Spalten im Gewebe (prälymphatische Kanäle) offen. Dadurch wird die „lymphpflichtige Last“ schneller und gründlicher abtransportiert und das Ödem somit abgebaut. Die mechanische Aktivierung löst die für chronische Lymphödeme (wozu auch das Lipo-Lymphödem zählt) typischen Verhärtungen im Gewebe (Fibrosen) auf.

Zu 4.: Die Tiefenoszillation verringert sowohl den Ausstoß an Entzündungsmediatoren (Stoffe, die Entzündungen einleiten bzw. aufrechterhalten) wie auch den Austritt von Wasser und Eiweiß aus Blut- und Lymphgefäßen. Dies wirkt akuten und chronischen Entzündungen entgegen.

Zu 5.: Chronische Schmerzen oder Verletzungen führen meist zu einer eingeschränkten Beweglichkeit. Dafür sind vor allem eine verminderte Mikrozirkulation, ein erhöhter Spannungszustand der Muskulatur (Muskeltonus) sowie Verklebungen Verbackungen von Faszien verantwortlich (Faszien sind bindegewebsartige Hüllen, die Knochen, Muskeln und Organe umhüllen, unterstützen und miteinander verbinden.). Die Tiefenoszillation leitet das dreidimensionale Gleiten der Faszien gegen- und miteinander wieder ein, verbessert die Mikrozirkulation und beeinflusst die Nervenfunktionen positiv. All das führt zu einer raschen Schmerzreduktion und diese wiederum zu einer Verbesserung der Beweglichkeit.

Nähere Informationen finden Sie hier: http://www.physiomed.de/Hivamat 200

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