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rainer h. kraus

Wer bezahlt die Liposuktion beim Lipödem?

Die Liposuktion des Lipödems ist eine sehr spezielle und zeitaufwändige Intervention. Eine Behandlung kann 2 bis mehr als 7 Stunden dauern. Die Kosten dafür sind von Arzt zu Arzt und je nach Aufwand sehr unterschiedlich und liegen zwischen ca. 2.500 und mehr als 5.000 Euro. Diese Aufwendungen können als „außergewöhnliche Belastungen“ bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Doch dafür muss man vor der OP unbedingt den Amtsarzt (Gesundheitsamt) aufsuchen. Dieser muss die medizinische Notwendigkeit der Absaugung bestätigen, damit das Finanzamt die Kosten auch anerkennt. Die Kosten dieser Amtsarzt-Bestätigung kann man ebenfalls geltend machen. Die meisten Ärzte, die Liposuktionen durchführen, bieten Möglichkeiten zur Finanzierung (Ratenzahlung etc.) an.


Gesetzlich Versicherte

Da keine Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für die Liposuktion vorliegt, ist sie keine Regelleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sondern gehört zu den „Neuen Untersuchungs-und Behandlungsmethoden“ (NUB). Also müssen die Patientinnen die Behandlung selbst bezahlen. Früher konnten gesetzliche Krankenkassen die Kosten dafür in einer Einzelfall-Entscheidung übernehmen, sofern die medizinische Notwendigkeit für eine Liposuktion des Lipödems festgestellt wurde. Das ist seit dem 24. April 2018 nicht mehr möglich. Näheres finden Sie hier.


Selbstzahler und Privatversicherte

Gegenüber Selbstzahlern, Privatversicherten und Beihilfepatienten rechnen die Operateure nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab. Inwieweit die einzelnen privaten Krankenversicherungen die Kosten übernehmen, hängt vom jeweiligen Versicherungsvertrag bzw. der vorher (!) einzuholenden Genehmigung der Kasse ab. Die Ärzte sind verpflichtet, Ihnen sämtliche anfallenden Kosten transparent und detailliert aufzuschlüsseln. Es muss ein Behandlungsvertrag abgeschlossen werden. Zwischen Angebot und Vertragsabschluss muss ausreichend Zeit zum Überlegen sein.


Mögliche Gefahren einer Kostenübernahme für Liposuktion durch die GKV

Im Mai 2014 hat der G-BA das Beratungsverfahren zur operativen Behandlung des Lipödems mittels Fettabsaugung (Liposuktion) eingeleitet und damit einen Antrag der Patientenvertretung angenommen. Das Ergebnis der Nutzenbewertung entscheidet darüber, ob die Operation künftig ambulant und stationär zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung angewendet werden kann. Der Beschlusstext und eine Erläuterung werden auf www.g-ba.de unter „Beschlüsse“ veröffentlicht. Das wird vermutlich aber nicht vor 2017 geschehen.

Das mag auf den ersten Blick für viele betroffene Frauen hoffnungsvoll erscheinen. Doch wir sehen dabei eher mehr Nachteile als Vorteile:

Denn es könnte ähnliches passieren wie etwa mit der Arthroskopie, als diese Kassenleistung wurde. Damals sprangen viele Ärzte auf den anfahrenden Zug. 2010 gehörten Arthroskopien am Knie, die im Normalfall mehrere Tausend Euro kosten, laut Statistischem Bundesamt mit rund 100.000 Eingriffen zu den häufigsten Leistungen (aktuell geschätzt 400.000 pro Jahr). Doch nicht jeder Chirurg hat für diese Eingriffe ein glückliches Händchen. Die Folge davon: Das „Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“ (IQWIG) sieht angesichts der dokumentierten Resultate keinen Nutzen der therapeutischen Arthroskopie bei Kniegelenksarthrose gegenüber den meisten Vergleichsinterventionen.

Darum dürfen ab Frühjahr 2016 bei gesetzlich Versicherten mit Gonarthrose Arthroskopien nur noch bei Verletzungen, akuten Gelenkblockaden und meniskusbezogenen Indikationen, bei denen die bestehende Gonarthrose lediglich eine Begleiterkrankung ist, zulasten der gesetzlichen Krankenkassen durchgeführt werden. Für alle anderen Fälle hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Eingriff aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen.

Ähnliches könnte der Liposuktion passieren. Wenn die GKV die Kosten dafür übernimmt, wird unter den Ärzten ein Run auf diese vermeintliche Goldmine einsetzen. Dabei mögen sie sich auch an die Leitlinien zur Liposuktion halten. Doch da steht kein einziges Wort über Lymphbahnen darin! Dann wird es sicher zahlreiche von Ärzten verursachte Lymphödeme geben!

Ganz abgesehen davon, werden die wirklich qualifizierten Liposuktions-Ärzte sich weigern, ihre hochwertigen Leistungen nach dem Vergütungssystem der vertragsärztlichen Versorgung (Einheitlicher Bewertungsmaßstab – EBM) zu erbringen und sie nach wie vor privat in Rechnung stellen. Für die Frauen, die sich die wirklich guten Liposuktions-Ärzte leisten können, wird sich nichts ändern. Die anderen, die sich auf Kosten der Krankenkassen von Plastisch-ästhetischen Chirurgen an den Extremitäten absaugen lassen, laufen Gefahr, sich ein chronisches Lymphödem einzufangen.

Wir möchten damit keinesfalls Plastisch-ästhetische Chirurgen diskreditieren! Doch nicht alle von ihnen sind mit der Anatomie des Lymphgefäßsystems hinreichend vertraut, um eine Liposuktion beim Lipödem sicher durchführen zu können. Deshalb kommt es etwa nach Eingriffen zur Oberarmstraffung (Brachioplastik) immer wieder zu sekundären Lymphödemen an Armen. Dann liegt an den betroffenen Armen ein Lipo-Lymphödem vor, das eigentlich nur an den Beinen entstehen kann.

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