Früher gab es das „Lipo-Lymphödem“. Mit diesem Begriff wurde das gleichzeitige Vorhandensein eines Lipödems und eines Lymphödems bezeichnet. In der vorherigen Fassung des Lipödemportals wurde das Lipo-Lymphödem mehrmals erwähnt. Ebenso in der S1-Leitlinie Lipödem von 2015. Man ging damals davon aus, dass ein Lipödem mit der Zeit das Lymphsystem überlasten und dadurch in ein sogenanntes Lipo-Lymphödem übergehen kann. Nach dem heutige Wissensstand lässt sich das nicht bestätigen. Ein Lipödem und ein Lymphödem sind unterschiedliche Erkrankungen. Sie können bei einer Person gleichzeitig auftreten, sollten dann aber auch getrennt diagnostiziert und beurteilt werden. Dann wäre zu prüfen, warum zusätzlich ein Lymphödem entstanden ist.
Ein wichtiger Punkt dabei ist Adipositas. Denn ausgeprägte Fettmassen beeinträchtigen durch ihr Gewicht und hormonelle Faktoren den Lymphabfluss aus den Beinen. Infolgedessen sammelt sich dort eiweißreiche Gewebsflüssigkeit an. Diesen Zustand nennen wir Lymphödem. In diesen Fällen liegen gleichzeitig drei Erkrankungen vor, für die jeweils ein eigener ICD-10-Code steht: Lipödem (E88.2-), Adipositas (E66.-) und ein sekundäres Lymphödem (I89.0-).
Daneben gibt es auch andere Ursachen von Lymphödemen an den Beinen, Dazu gehören neben der Behandlung einer bösartigen Erkrankung (Krebs) auch Traumata verschiedenster Art sowie (in tropischen Ländern) parasitäre Infektionen.
Fazit: Nach dem heutigen Wissensstand muss der Terminus „Lipo-Lymphödem“ als obsolet angesehen werden. Seine Verwendung wird nicht mehr als sinnvoll erachtet.